Frauenboxen  
   
 
 
  Einleitung

Was sind die Beweggründe einer Dame den Boxsport auszuüben? Die Faszination und Vielseitigkeit des Amateur-Boxsports, wie er seit 1867 nach den Regeln von Marquess of Queensbury ausgeübt wird, hatte auch schon immer für etliche Frauen eine magische Anziehungskraft.

Boxen fesselt. Die Gründe dafür lassen sich nicht in einen Satz fassen und sind gewiss bei jeder Boxerin und jedem Boxer anderen Ursprungs. Beruht die Anziehungskraft dieses Sportes auf der Bewunderung der kräftigen und mutigen Kämpfer, an der eigenartigen Moral, welche sich auf Bescheidenheit, Stolz, Mut, Willenskraft, Fairness, aber teilweise auch Anrüchigkeit bildet? Beruht sie auf der Faszination von der Härte gegenüber dem Gegner oder sich selbst, oder schlicht auf der einzigartigen Bewegung (der seltsamen Mischung zwischen tänzelndem Ballet und brachialer Gewalt)? Auf dem Gefühl, mit der eigenen Faust eine gewisse Macht und Gefährlichkeit auf sich zu tragen, seinen Körper völlig unter Kontrolle zu halten und dann in Bruchteilen von Sekunden explodieren zu lassen, einem Gegner gegenüber zu stehen und kein Zurück zur Wahl zu haben, die Muskeln wie den Kreislauf bis an die Schmerzensgrenzen zu treiben, topfit zu sein? Wahrscheinlich ist es eine individuell richtige Mischung alldessen.

Waren es anfänglich mehrheitlich die Frauen, welche sich schon als Mädchen nicht mit dem klassischen Bild des weiblichen Geschlechts abfinden konnten und lieber mit Knaben spielten und rauften, die sich für den Boxsport begeisterten, so begannen gegen Ende des 20. Jahrhunderts immer mehr Frauen aus allen möglichen Schichten Interesse an der aktiven Teilnahme am Boxsport zu zeigen.

Ständige pulsierend auftretende Medienereignisse pushten den Bekanntheitsgrad des Frauenboxens speziell in den letzten 5 Jahren. Seien dies die WM-Kämpfe der Thunerin Christina Nigg, die WM-Kämpfe der deutschen Regina Halmich, der Vergleichskampf zwischen Laila Ali und Jacquie Frazier, der Show-Kampf "Stefan Raab gegen Regina Halmich"; alle bewiesen, dass Frauenboxen ein intelligenter, ernstzunehmer Sport ist, welcher wenig mit Schlägereien, aber ebensowenig mit zierlichem Sport des sogenannten "schwächeren Geschlechts" zu tun hat .

Gleichzeitig zog es auch den Fitnesstraining- und Selbstverteidigungs-Sektor ins Boxtraining. Denn mit dem Boom kam vermehrt wieder die Erkenntnis zum Vorschein, dass der Boxsport eines der ausgeglichensten und effizientesten Training ist, sodass heute alle Fitness-Varianten mit integriertem Boxen einen massiven Teilnehmerzuwachs verbuchen können, während das klassische Boxen für Männer eher rückläufige Mitgliederzahlen aufweist. Fitnessboxen, Tae-Bo, Cardio-Kickboxing, Aero-Boxing sind trendy. Doch die faszinierende Atmosphäre des klassischen (Frauen-)Boxens wird wohl immer den Boxclubs vorbehalten bleiben.
sk 2001