Boxeo 5

Kampfbericht

R e s u l t a t e

 

Kämpferherzen und glänzende Taktiker
Die 5. Boxeo-Nacht - 80 Jahre Boxclub-Basel. Kampfbericht.


80 Jahre Boxclub Basel - 80 Jahre Boxen mit Emotionen. Von Angelo Gallina organisiert wurde das Geburtstagfest vom 3. Dezember 2004 zu einem Höhepunkt. Die Messe Halle Basel präsentierte sich als perfekte Örtlichkeit für den Geburtstag des Boxclub Basel und die fünfte Veranstaltung in der Boxeo Reihe. Die edle Atmosphäre der Halle passte ausgezeichnet zum ersten Profi-Kampf seit Jahrzehnten in Basel und zu den Energie geladenen Kämpfen der Amateure. Etwa Tausend Zuschauer, Gäste - darunter viele Geladene und Veteranen sowie Ehrenmitglieder des Boxclub Basel - sowie auch Partybesucher, die mit Ihrem Eintritt zur Party Gleichzeitig für das Boxeo Zutritt erlangten, waren begeistert. Die Boxerinnen und Boxer des Boxclub Basel siegten denn auch in vier von fünf Kämpfen überragend und zeigten, was sie sich in intensivem Training angeeignet hatten.

Die Kämpfe:
Mathieu Schlachter vom BC Basel gewährte den Zuschauern im ersten Kampf des Abends einen Blick auf sein Talent (Boxe Educative Assaut, 54 kg, 3x1 min.). Alijevski Emra von der BS Gebenstorf hatte gegen den kleineren, wendigeren Mathieu seine liebe Mühe. Der Kampf war von der ersten Sekunde an angriffig, ambitioniert und schnell, was er bis zur letzten Sekunde blieb.

Mit Djallel Loucif, BC Basel, gegen Philipp Hasler, BC Sissach, begann der erste Amateurkampf mit Wertung. Djallel Loucif, der erst seit ein paar Wochen im BC Basel trainiert, boxte im Ring seinem unverwechselbaren Stil und glänzte mit einem guten Auge und schnellen Reflexen, nahm es aber mit der Genauigkeit und vor allem mit der Deckungsarbeit leider nicht so genau und musste deshalb einige böse Treffer einstecken und verlor nach einem abwechslungsreichen Kampf mit einigen harten In-Fights nach Punkten gegen den wesentlich muskulöseren Sissacher. Sichtbar wurde aber auch sein Talent und seine Unbeeindruckbarkeit.

Der erst 15jährige Dennis Abt, BC Basel, Junioren bis 64 kg, im Kampf in der Runde danach, erwies sich trotz seinem Alter schon als guter Taktiker. Stéphane Porchet, BC Châtel St.Denis, war zwar deutlich muskulöser und boxte angriffig mit schön gezielten Geraden, hatte jedoch grosse Mühe Treffer anzubringen. Dennis Abt lies Stéphane Porchet agieren und nützte so mit einem eleganten Konterboxen und minimalem Energieaufwand sein besseres Auge und sein taktisches Gefühl für einen klaren Sieg (3:0).

Der nächste Kampf, ausgetragen zwischen Sandra Brügger, BC Basel, und Sandra Matzinger, Box Ring Bern, welche freundlicherweise in letzter Minute eingesprungen war, schien von Anfang an ungleich zu werden. Allerdings mit anderen Vorzeichen als er beendet wurde. Sandra Matzinger war die deutlich kräftigere der beiden und schien zu beginn Sandra Brügger mit schierer Kraft zu Boden boxen zu wollen. Doch Sandra Brügger schaffte es, das Konzept der Bernerin schon im ersten Drittel an ihrer hervorragenden Beinarbeit und einem erschütternden rechten Schwinger scheitern zu lassen. Zwar versuchte die Bernerin immer wieder, tapfer die Baslerin (amtierende Schweizermeisterin bis 60 kg) zu bedrängen und im Eck mit harten Schlägen einzudecken. Einmal durchschaut, lies Sandra diese Taktik der Gegnerin mit flinkem Fuss schlichtweg in die Leere laufen. Auch dieser Kampf endete mit einem ohne Wenn und Aber für Basel (3:0).

Dina Burger, BS Grenchen, und Petra Kobler, Box Ring Basel, Damen bis 54 kg, kämpften im nächsten Kampf schier hemmungslos. Petra Kobler, amtierende Schweizermeisterin im Boxen und Kickboxen, musste sich durch eine harte Prüfung gegen das fast 10 Jahre jüngere Talent Dina Burger boxen. Die erste Runde ging zweifellos an die fast einen Kopf kleinere Petra Kobler. Mit einem variablen Boxen ging sie Dina Burger schön von der Seite an. Diese erwies sich als kühl kalkulierende Taktikerin, die in der ersten Runde gänzlich passiv ihre Gegnerin abschätzte. Wer Dina schon live gesehen hatte, fragte sich, was mit der drahtigen 16-jährigen los war. In der zweiten und dritten Runde zeigte sie ihre kompromisslose Härte. Wie ein Orkan ging sie in die zweite Runde und teilte massive Schläge aus. Petra Kobler musste sich in der Mitte der zweiten Runde anzählen lassen und konnte sich danach dank ihrer robusten Kondition in die dritte Runde retten. In dieser Runde bewies Dina Burger ihre Ambitionen für eine internationale Karriere: Petra Kobler wurde schlicht zu einem Sandsack degradiert. Zwar musste sie nicht mehr angezählt werden, nichts desto trotz beschloss der Ringrichter nach gut einer Minute den Kampf zu beenden. Ein weiterer Sieg auf der Karriereleiter von Dina Burger und der einzige K.O.-Sieg an diesem Abend.

Viet Dang sorgte in der Pause mit seiner Tanzgruppe "flow" mit elastischem, rockigem Streetdance für einen gelungenen Ausflug in die Tanzwelt.

Nach der Pause konnten die Zuschauer Denis Mir für den Boxclub Basel gegen Christian Bozzoni vom BS Varese und seine aussergewöhnliche Erfahrung und Kaltblütigkeit gegen einen körperlich überlegenen Gegner bewundern. Sein unverwechselbarer Stil mit vielen Pendelbewegungen und blitzartigen, tiefen Hacken in den Solarplexus und in die Leber- wie Milzgegend beeindruckten den Gegner und trafen ihn schwer. Obwohl Christian Bozzoni teilweise sichtlich gerne in den In-Fight gegangen wäre, lies dies Denis Mir nicht zu und deckte ihn aus der Ferne weiterhin mit langen tiefen Hacken ein. Doch Christian Bozzoni, immerhin auch schon mit über 50 Kämpfen ziemlich erfahren, zeigte Kampfwillen bis zum Schluss. Denis Mir siegte mit einem deutlichen 3:0.

Bettina Schelker, BC Basel, boxte den gloriosen emotionalen Höhepunkt der Amateurboxer gegen Alessandra Albero von Varese. Der Kampf wurde von einem DRS 3 Hörer angesagt, der sich damit einen Lebenswunsch erfüllen konnte. Sie pflügte in den ersten 30 Sekunden ihre Gegnerin fast buchstäblich mit schnellen Attacken und wuchtigen Schlägen in den Boden. Diese konnte sich aber mit einigen ebenfalls harten Schlägen Luft verschaffen und den Ansturm von Bettina immer wieder begrenzen. Und obwohl auch Bettina immer wieder gewaltige Schläge einstecken musste und am Ende ebenfalls mitgenommen wirkte, bewies sie Kämpferherz. Auch dieser Kampf ging mit 3:0 an Basel.

Da zwei Vareser unentschuldigt nicht an der Gala erschienen, entschieden sich die beiden ungleichen Boxer Marc Salathé, Bronx Gym Basel, und der zweifache Schweizermeister Blas-Miguel Martinez, BC Sissach, zum Ausklang mindestens gemeinsam einen Showkampf zu bestreiten. Marc hielt dem mehrfach erfahrereren Martinez mutig entgegen. Dieser Halbschwer-Kampf (bis 81kg) fand aufgrund des Alters- und Erfahrungsunterschiedes ohne Wertung statt.

Leider musste Mark Hemden wegen einer Sparringsverletzung seinen Kampf absagen. Was somit das Meeting um einen Kampf verkürzte. Der extra aus Kroatien angereiste Ante Bilic, WBC Juniorenweltmeister konnte ebenfalls keinen Kampf austragen, da sein Gegner vom Schweizerischen Boxverband nicht akzeptiert wurde. Dafür kämpfte Martino Ciano von Bern gegen Karoly Lakatos aus Ungarn. Ein Kampf der den Erwartungen eines grossen Profikampf nicht gerecht wurde. Man muss jedoch beachten, dass die Jungprofis dazu nicht im Stande waren, da ihnen die nötige Erfahrung fehlte.

Die 5. Boxeo-Nacht ging nach einem raschen Um- und Aufbauen nahtlos in die Psychoparty über. DJ's und Bands taten das ihre die zuhauf angereisten Studenten und die übrig gebliebenen Boxer aufs beste durch die lange Nacht zu rocken.

Ein schöner Geburtstag für den Boxclub Basel. Einen Dank an alle Beteiligten.

D.C.