"Basel-Zürich-Metzgete" - Kampfbericht

"Basel-Zürich-Metzgete", 20.12.2003 im Gundeldinger Feld, Basel                        Resultate..   Fotos

Letzten Samstag fand in Basel der 4. Boxeo-Anlass statt. Die Boxeos sind Veranstaltungen, in welchen jeweils 5-10 Boxkämpfe in einen kulturellen Rahmen verpackt werden. Diesen Dezember fand der Boxeo-Anlass im Rahmen der Basler Filmtage statt. Es gab zwei "Warm-Ups": Am Montag wurden zwei Box-Dokumentationen vorgeführt, eine ("Theater/Boxen") zur Verschmelzung von Theater und Boxen, eine ("Pofonok") zum Boxalltag in Ungarn. Am Donnerstag fand in der Kaserne die Lesung "ali boomba-ye" mit Dänu Boemle statt, welche den Klassiker Ali-Foreman auferstehen lies.

Höhepunkt war dann jedoch der Boxabend unter dem Motto "Basel-Zürich-Metzgete", bei sich die Club aus der Region Basel mit denen aus der Region Zürich massen. Für Basel starteten die Clubs vom BC Basel, Bronx Gym Basel und Grenchen, für Zürich starteten der SR Zürich, die Brugger, Weil und Sissach.

Als Einstimmung wurde von 19.00-20.00 Uhr der Stunden-Weltrekord im Rumpfbeugen (7203 Stück eines Kanadiers) erfolgreich gebrochen. Der Inder B.M. Gopikrishnan absolvierte vor zahlreichem Publikum im Boxring unglaubliche 8239 Rumpfbeugen.

Das Hauptprogramm wurde von Angelo Gallina, begleitet von Michael Wipfs Combo Salsero eingeleitet. Danach liefen die Boxer der beiden Staffeln nacheinander in den Ring. Untermalt mit "live-Rocky-Sound". Zürich in blau, Basel in rot. Die alte Fabrikhalle verlieh dem Einmarsch der Kämpfer etwas gladiatorenhaftes. Dann wurde es ruhig in der Halle. Die Ruhe vor dem Sturm..

Den ersten der 6 emotionsgeladenen Boxkämpfe focht Micha Burger gegen den einzigen Stadt-Zürcher Gurgen Shahinyan aus. Burger bestritt seinen ersten Kampf und schlug sich tapfer. Der Kampf endete unentschieden, leichte Vorteile für den Zürcher.

Kampf Nummer zwei wurde zwischen Steve Corti und David Weber ausgetragen. Weber, zwar 7 Kilo schwerer, aber denoch mit Reichweiten-Nachteilen, verfolgte Corti während den 4x2 Minuten wie ein kleiner unermüdlicher Panzer. Corti verstand es aber den kleinen "Tyson" mit langen Geraden im Rückwärtsgang geschickt auf Distanz zu halten und konnte so den Kampf für sich gestalten.

Im dritten Kampf traf Valdet Bajrami vom Bronx Gym Basel auf den Brugger Franco Carusa. Bajrami grösser und konditionell stärker, Carusa dafür wendiger und technisch variabler. Carusa konnte die erste Runde dominieren indem er die Schläge elegant mied und konterte. Bereits gegen Ende der 2. Runde schien ihm aber die Luft auszugehen. Der beherzte Basler nutzte dies aus und gab in der 3. Runde derart Vollgas, dass sich der Brugger nur mit Not über die Kampfdistanz retten konnte. Die Auseinandersetzung endete mit einem Sieg für den Basler.

Nach der Pause folgte ein Jugendkampf. Dennis Abt vom BC Basel, 15 Jahre jung und 60kg, traf auf den gleichaltrigen Eraslan Hamza. Beide Jungs bestritten ihren ersten Kampf und wollten sich unter keinen Umständen eine Blösse geben. Dennis eher der gerade Boxer mit gezielten 2er oder 3er Kombinationen, Eraslan eher der offene Boxer, der oft 5-6 Schläge hintereinander abfeuerte. Die Jungs schenkten sich nichts und verausgabten sich fast bis zum Umfallen. Dennoch blieb der Kampf bis zum Ende sauber, was für einen Anfängerkampf nicht selbstverständlich ist. Nicht ohne Grund wurde der Anfängerkampf von vielen Zuschauern deshalb als bester Kampf des Abend gelobt.

Schwierig hatte es Lokalmatador Benjamin Leisinger vom BC Basel, der aufgrund mehrerer Ausfälle gegen den diesjährigen Schweizermeister und Kollegen Miguel Martinez boxen musste. Der jungbackene Jurist, welche nach 5 Monaten prüfungsbedingter Wettkampfpause sein Comeback bestritt, hatte gerade 20 Tage Zeit zur Vorbereitung. Er hätte eigentlich gegen einen schwächeren Gegner starten sollen, der sagte aber wegen Krankheit kurzfristig ab. Mutig stellte sich der Basler der Herausforderung. Leisinger startete gut, boxte vorbildlich sauber, schnell und aktiv, hatte aber noch zuwenig Power um die kompakte Deckung von Martinez zu durchbrechen. Jener verfolgte Beni gnadenlos, schnitt ihm den Weg ab und konzentrierte die Kraft dermassen auf seine Schlagkombinationen, sodass Leisingers gute Deckung z.T. auseinandergerissen wurde. Der Basler musste einige harte Körpertreffer einstecken, konnte aber Kopftreffer mehrheitlich vermeiden und immer wieder auch Treffer anbringen. Als ob die Aufgabe nicht schwer genug, verlor er in Runde 3 die Kontaktlinse und musste einäugig weiterboxen. Martinez erhöhte den Druck und die Ringrichterin brach kurz vor Rundenende den Kampf ab.

Gespannt wartete das Publikum dann auf den letzten Kampf des Abends. Denis Mir, welcher als 17jähriger in Weissrussland bereits 55 Kämpfe bestritten hatte, forderte den dreifachen Schweizermeister Rocco Cipriani (1995 und 1997 im Halbwelter bis 63.5kg, 2003 im Leichtgewicht bis 60kg) heraus. Ein hochexplosiver Kampf, beide Boxer mit einer enormen Reaktions- und Schlagschnelligkeit, der Basler mit mehr Schlagkraft, der Brugger mit mehr Kondition, Mir Links-, Cipriani Rechtsausleger. Denis startete die Runde schneller und konnte einen Punktevorsprung herausholen. In der zweiten Runde holte Cipriani auf. Die dritte Runde war dann geprägt von gegenseitigen Respekt, weshalb sich die beiden oft lange nur mit der Führhand zuckend gegenüber standen. Vorteile für Mir. Die letzte Runde zeigte Cipriani wieder mehr Aktivität, während Mir Mühe mit dem unorthodoxen Kampfstil des Bruggers und mit seiner eigenen Kondition bekundete. Doch es reichte Cipriani nicht. Der Kampf endete mit einem Sieg für Denis Mir, wenngleich ein Unentschieden der Sache gerechter gekommen wäre.

Schlussbilanz des Staffelkampfes waren 8:4 Punkte für die Basler. Einziger Wehrmutstropfen des Anlasses waren die vielen Absagen der Zürcher (4 Absagen 2 Tage zuvor, 2 am Vortag), weshalb die beiden ursprünglichen Höhepunkte Martinez - Sulimani und Gjergjaj - Milosevic nicht verwirklicht werden konnten und deshalb ein Weiler und der Sissacher Martinez für Zürich antreten mussten. Dennoch entwickelten sich äusserst abwechslungsreiche und unterhaltende Kämpfe, die dem Publikum ein abgerundetes Programm boten.


Ausgeklungen wurde der explosive Abend dann von der Live-Band Combo Salsero und von DJ Miron. Zuschauer und Boxer konnten sich so die angespannten Muskeln in entspannendem Ambiente zur Latino und Chillout-Musik lockern.

Einen ganz herzlichen Dank an alle Helfer, an die Boxer, an die Trainer, an die Ringsteller, -abbauer, die Barleute, die Kassierer, Aufräum-Equippe, Betreuer, Sponsoren und alle die für den Anlass Werbung gemacht haben, Plakate aufgeklebt und Flyers verteilt haben. Namen werden absichtlich keine genannt, um niemanden zu vergessen..

Einen speziellen Dank an die Angelo Gallina für die ganze Organisation, sowie an Dominik Musfeld und Fabrizio Lelli (Leitung Helferteam), Daniel Frei (Ringauf- und abbau), Claudia Puppato (Ringspeakerin), Adrian (Bar-Equippe), Sonja (Betreuung, Gebäck), Fabio und Leonid (Betreuung Boxer).